An Orten innerer Ruhe                                                                                   Quelle: www.naumburger-tageblatt.de

                                                                                                                                                                                         06.05.2014

Die neue Ausstellung im Freyburger Jahn-Museum „Projekt Erdung“ will für das Thema Autismus sensibilisieren. Einnahmen gehen an Ambulanzen.

 

Ein abgelegenes Fleckchen am See, allein im Park, der Blick in den Nachthimmel. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Moment der Ruhe zu genießen, sich von Stress und Hektik zurückzuziehen. Den verschiedenen Rückzugsorten ist die aktuelle Ausstellung „Projekt Erdung“ im Freyburger Jahn-Museum gewidmet. Doch die Exposition, die Museumsleiterin Manuela Dietz am Sonnabend eröffnete, hat ein viel tiefgreifenderes Anliegen, als den Besuchern besinnliche Orte zu zeigen.

 

Das Leipziger „Projekt Erdung“ hat sich zum Ziel gesetzt, dass Thema Autismus mit Hilfe von Prominenten in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Für die Initiative sei die Schau eine Premiere. Zum ersten Mal werden Bilder präsentiert, die in einen Bild-Band eingehen sollen, sagte Fotograf und Initiator Thomas Kinnigkeit. Er hat bisher rund 40 Prominente aus verschiedenen Bereichen vor die Kamera bekommen und sie an ihren Rückzugsort mit der Kamera festgehalten. So war Schauspieler Paul Frielinghaus, bekannt aus der Fernsehserie „Ein Fall für zwei“, zur Vernissage nach Freyburg gekommen. Der Mime ist in der Ausstellung auf einem großformatigen Bild in der Berliner Philharmonie zu sehen.

 

Neben von Autismus betroffenen Kindern im Bekanntenkreis war es vor allem die Begegnung mit der austischen Künstlerin Gee Vero, die den Beweggrund für die Entstehung des Projektes lieferte, blickte Kinnigkeit zurück. Vero initiierte ebenfalls mit Hilfe Prominenter aus Politik, Kultur und Wirtschaft darunter Schauspieler Ben Kingsley und Manfred Krug sowie die Sänger Udo Lindenberg und Sebastian Krumbiegel, ihr Kunstprojekt „The Art of Inclusion“, von dem einige Werke zeitgleich im Jahn-Museum präsentiert werden.

 

„Jeder ist individuell und hat eine eigene Wahrnehmung, aber Autisten werden als solche erkannt, wenn im Verhalten etwas schiefläuft und sie gesellschaftliche Ansprüche nicht erfüllen“, bemerkte die Künstlerin. Mit dem „Projekt Erdung“ wird die Autismus-Ambulanz in Halle unterstützt, die Betroffenen und Angehörigen zur Seite steht. Susann Bölzle, Leiterin der Autismusambulanz Halle, zeigte sich erfreut über die Unterstützung. Die Spenden sollen in sportliche Projekte und Ferienfreizeiten fließen.

 

Die Ambulanz besteht seit bereits zehn Jahren und zählt zu den insgesamt 75 Einrichtungen ihrer Art in Deutschland. Auch das Freyburger Weingut Lückel unterstützt im Übrigen das Projekt - mit einer eigenen Weinsonderedition.

 

von Constanze Matthes

 

 

 

„PROJEKT ERDUNG“ zu Gast im Jahnmuseum                                                  Quelle: www.freyburg-tourismus.de

Nach Bildnissen des Turnvaters nun Portraits von Prominenten                                          31.01.2014

 

 

Am 3. Mai eröffnet im Jahnmuseum Freyburg um 16 Uhr die Fotoausstellung „Projekt Erdung“. Das Projekt arbeitet an einem Bildband, dessen Erlöse Autismusambulanzen zu Gute kommen sollen. Dafür haben die Macher des Leipziger Projekts in den letzten anderthalb Jahren rund 60 Prominente und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an den Orten ihrer „inneren Ruhe“ fotografiert.

 

„Die Portraits behandeln das Thema Ruhe und Rückzug, dass nicht nur für Menschen mit Autismus eine Bedeutung hat“, sagt Mitinitiatorin Diana Dademasch. Die zunehmende Flut an Informationen und der schnelllebige Alltag fordern von immer mehr Menschen Tribut. Ruhe, Entschleunigung und Entspannung sind zentrale Schlagwörter im Kampf gegen permanente Reizüberflutung und Leistungsdruck.

 

Mit Ausstellungen und einem Bildband will das Projekt für diese Thematik sensibilisieren. Die Erlöse sollen der Autismusambulanz Halle Zu gute kommen. Hintergrund ist die Zusammenarbeit mit der autistischen Künstlerin Gee Vero, die bereits mit Ihrem Projekt „Inklusion“ von sich reden gemacht hat. Teile Ihrer Arbeit werden auch in der Ausstellung im Jahnmuseum zu sehen sein.

 

„Als wir die Anfrage zu dieser Ausstellung erhalten haben, waren wir zuerst skeptisch“, sagt die Geschäftsführerin der Jahngesellschaft, Manuela Dietz. „Eine Fotoausstellung, welche Portraits von Prominentenzeigt – da stand die Frage, ob dies in ein Sportmuseum gehört, sofort im Raum. Der Ansatz, dass mit dem Erlös auch Sportangebote für Menschen mit Autismus gefördert werden sollen, hat uns letzen Endes überzeugt. Wir betonen ja immer alle wie wichtig es ist, vor allem Kindern und Jugendlichen Bewegung wieder näher zu bringen“. Sport spielt nicht nurbei der Bewältigung von Stress und körperlichen Gesunderhaltung eine entschiedene Rolle. Er fördert ebenso soziale Interaktion und hilft auf spielerische Art, soziale Normen und Regeln zu erlernen. „Wir sollten darauf achten, entsprechende Angebote Allen zu ermöglichen und Menschen mit seelischen, psychischen oder physischen Beeinträchtigungen nicht auszuschließen“, so Dietz.

 

Das Team des Jahnmuseums freut sich auf die Zusammenarbeit, deren Produkt nicht zuletzt eine sehenswerte Ausstellung mit ausdrucksstarken Portraitfotografien ist. Bleibt zu hoffen, dass viele Besucher den Weg ins Jahnmuseum finden um das Projekt zu unterstützen. Vom Eintritt gehenjeweils 0,50 Euro an das Projekt. Für 3,00 Euro sind sowohl die Sonder- als auch die Dauerausstellung zum Leben und Wirken des Turnvaters zu besichtigen.

 

Die Sonderausstellung „Projekt Erdung“ läuft vom 3. Mai bis zum 1. August 2014. Das Museum hat Dienstag bis Sonntag von 10 – 17 Uhr geöffnet.

Das Projekt Erdung

- Ruhe finden -                                                                                                               Quelle: Blitz! - Das Stadtmagazin / Nov 2013

 

Erdung ist ein Projekt von Diana Dademasch (Koordination) und Thomas Kinnigkeit (Fotograf) aus Leipzig. Sie möchten einen Bildband veröffentlichen, der zeigt, wie anders ein Mensch aussieht, wenn er sich auf die innere Ruhe einlässt. Dazu lichten sie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ab. Mit einem Teil des Erlöses aus diesem Bildband, der neben den Fotografien auch sehr persönliche Statements enthält, unterstützen Diana Dademasch und Thomas Kinnigkeit Autismusambulanzen in Zusammenarbeit mit der autistischen Künstlerin Gee Vero.

 

Seit wann arbeitet Ihr am Projekt Erdung?

Im Herbst 2012, beim Shooting mit Nader Rahy, dem Gitarristen von Nena, wuchs die Idee zum Projekt. Thomas hatte ihn einfach angeschrieben, da er uns als Typ gefiel. Nader ist Berliner und wir wollten definitiv nicht diese typischen Berlin-Hinterhof-Bilder mit ihm machen. Daher haben wir ihm die Natur als Location vorgeschlagen, was sofort gut ankam. Während des Shootings merkten wir, wie sich Nader immer mehr entspannte, da wir ihn aus seinem gewohnten Umfeld und der Hektik der Großstadt herausgenommen hatten.

 

Dadurch wirkte er ganz anders in seiner Mimik und Gestik. Als wir zu Hause die Bilder auswählten, setzte sich die Idee in uns fest, Menschen am Ort ihrer inneren Ruhe zu fotografieren und dadurch einen Moment, einen neuen und unbekannten Eindruck dieser Personen festzuhalten.Mit Autismus beschäftigen wir uns näher, seitdem wir Anfang 2012 die autistische Künstlerin Gee Vero kennengelernt haben. Sie ist die Initiatorin des Projektes "The Art of Inclusion - Die Kunst der Inklusion", bei dem sich Autisten und Nicht-Autisten in der Kunst, einem Blatt Papier, treffen.

 

Ihre Arbeiten haben uns sehr beeindruckt. Unser Anliegen war und ist es, auf das Thema Autismus aufmerksam zu machen - aber nicht, indem wir in irgendeiner Art auf die Andersartigkeit von Autisten hinweisen! Im Gegenteil: Erdung und innere Ruhe sind Themen, die für Autisten enorm wichtig sind und für alle übrigen Menschen ebenso. Gleichzeitig greifen wir damit eine von vielleicht vielen Facetten unseres Daseins und Menschseins auf, bei der wir etwas von Autisten lernen können.

 

Wann soll der Bildband dazu erscheinen?

Wir haben uns von Anfang an einen Realisierungszeitraum von zwei Jahren eingeräumt und liegen bisher auch gut im Zeitplan. Bis heute sagten uns schon 40 Personen aus den verschiedensten Bereichen des öffentlichen Lebens ihre Teilnahme zu, und 18 von ihnen haben wir bereits fotografiert. Unser Ziel ist es, den Bildband Ende 2014 oder Anfang 2015 mit dem richtigen Verlag zu veröffentlichen. Passende Shooting-Termine zu finden, dauert eben seine Zeit, da unsere Protagonisten und wir immer viel unterwegs sind.

 

Aber wenn wir heute schauen, was wir in einem knappen Jahr geschafft haben, sind wir doch sehr zuversichtlich, dass es auch weiterhin gut vorangeht.

 

Nach welchen Kriterien wählt Ihr die von Euch Porträtierten aus?

An der Stelle möchten wir gerne Quentin Tarantino zitieren: "Ich muss dich mögen und du musst am Leben sein!"

 

Hat auch schon mal jemand Nein gesagt?

Ja, das kommt natürlich vor. Die meisten Neins bekommen wir, weil die angeschriebenen Persönlichkeiten terminlich sehr stark eingebunden sind, auch, weil bei ihnen schon andere karitative Projekte im Vordergrund stehen. Darüber sind wir aber nicht enttäuscht. An den sehr freundlichen und persönlichen Absagen sehen wir, dass unser soziales Anliegen ernst genommen wird.

 

Habt Ihr selbst während der Laufzeit Eures Projektes zu mehr innerer Ruhe gefunden?

Eine wirklich gute Frage. Diese können wir mit Ja und Nein beantworten. Es kommt natürlich vor, dass wir bei einem Shooting selbst zur absoluten Ruhe, zur Erdung finden. Es ist so, dass unsere Protagonisten uns einen sehr privaten Einblick gewähren und uns in ihre Welt mitnehmen. Wir sind mit ihnen meist in der Natur unterwegs und genießen immer diese schönen Momente mit ihnen. Dafür sind wir sehr dankbar, da es ja auch nicht selbstverständlich ist, einen fremden Menschen in sein Leben zu lassen. Gleichzeitig ist dieses Projekt natürlich ebenso ein "Stressfaktor".

 

Wir arbeiten daran nicht hauptberuflich und stemmen den finanziellen Großteil privat. Die Resonanz darauf ist manchmal überwältigend, und wir freuen uns sehr darüber, dass wir bereits einige Unterstützer und Förderer gefunden haben, die an unsere Arbeit glauben. Nach solchen Menschen, die uns gern unter die Arme greifen, sind wir natürlich auch weiterhin auf der Suche.